Forschungsprojekt Schellenberger Eishöhle

Die Höhle:

Die Schellenberger Eishöhle liegt in 1570 m ü. NN am Fuße der Ostwände des Untersberges, Berchtesgadener Alpen, im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Mit einer Gesamtlänge von 3.621 m und einer Tiefenerstreckung von - 221 m bildet sie eine alpine Großhöhle. Der ca. 500 m lange Eisteil wird seit 1925 durch den Schellenberger Eishöhlen e.V. als Schauhöhle geführt. Der weitaus größere nicht-vereiste Teil zweigt nahe dem Eingangsportal nach NE vertikal in die Tiefe ab und endet nach einer Serie von Schächten in einer Tiefe von ca. - 221 m.

Durch das Eingangsportal gelangt in die Josef-Ritter-von-Angermayer-Halle, dem größten Höhlenraum mit einer Länge von ca. 70 m und einer Breite von 40 m. Der Boden der Hall wird vom Bodeneis gebildet, welches man auf dem Schauhöhlenweg umrunden kann. Durch die beiden Höhlengänge Wasserstelle und Mörkdom gelangt man an den tiefsten Punkt des Eisteiles ca. 41 m unter Eingangsniveau, der Fuggerhalle.

Forschungsgeschichte:

Die Schellenberger Eishöhle ist der Bevölkerung wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten durch das markante Eingangsportal bekannt, wurde aber erstmal 1826 in der Bayrischen Generalstabskarte als “Schellenberger Eisloch” (Vonderthann, 2005) erwähnt. Nach 1874 wurde sie durch Höhlenforscher des Landesverein für Höhlenkunde Salzburg und später durch Eberhard Fugger erforscht. Fugger selbst veröffentlichte später einige der bedeutendsten Eishöhlen-Publikation des 19. Jahrhunderts. Er begann 1869 mit einer Studie zu den Eisbildungen in der Kolowrathöhle und arbeitete später auch in der Schellenberger Eishöhle, wo er etliche Eismassen-Messungen von 1876-1882 (Vonderthann, 2005) unternahm. In den nächsten Jahrzehnten von den 1940er bis 1980er wurde die Forschung grundlegend vom Höhlenforscher und langjährigen Höhlenführer Fritz Eigert geprägt, welcher mit einer einzigartigen Hingabe zahlreiche Eismassenmessungen und Temperaturmessungen durchführte (Ringeis et al. 2008).

Aktuelle Messungen:

Im Oktober 2007 hat die AG Höhlen- und U-Bahn-Klimatologie die wissenschaftliche Bearbeitung der Schellenberger Eishöhle nach einer Unterbrechung von einigen Dekaden wieder aufgenommen. Im Zentrum stand von Anfang an, möglichst langfristige Messungen zu installieren, um etwaige Veränderungen und Trends aber auch grundlegende Charakteristika des Mikroklimas dieser statischen Eishöhle aufzuzeichnen.

Die Lufttemperatur wird seit Oktober 2007 in Messintervallen von 10 bzw. 15 min unter Verwendung von GeoPrecision Datenloggern mit PT 1000-Sensoren (Messgenauigkeit ± 0,1 K, Auflösung 0,01°C). aufgenzeichnet. Die spezifischen Messpunkte wurden so ausgewählt, dass sie repräsentativ die verschiedenen Hauptbereichen der Eishöhle bzw. in unterschiedlichen Höhlenlagen vom Eingangsniveau bis zum tiefsten Punkt repräsentiert.

In der großen Eingangshalle wurden zwei Messtandorte ausgewählt, einer im oberen Bereich nahe dem Eingang und einer am unteren Ende der Halle. In den von der Angermayerhalle in den tieferen Teil der Höhle führenden Gänge, Wasserstelle bzw. Mörkdom, wurde jeweils ein Logger eingebracht, sowie im tiefsten Teil der Eishöhle, der Fuggerhalle. Zudem wird auch die Eistemperatur in der Angermayerhalle gemessen.

Diese Langzeitmessungen werden durch zahlreiche mobile Kurzzeitmessungen ergänzt. So wurde unter anderem Messungen mittels Thermalkamera und Ultraschallanemometer vorgenommen.

Seit 2014 werden an 33 verschiedenen Messpunkten die Veränderungen der Eistände aufgenommen.

Glaziologische Untersuchungen:

Neben dem klimatologischen Messprogramm wurde im Sommer 2014 in Zusammenarbeit mit Renato R. Colucci und Emanuele Forte vom Department of Earth System Sciences and Environmental Technology, ISMAR Trieste – CNR, das Bodeneis in der Angermayerhalle untersucht. Darauf aufbauend wurde im Sommer 2016 zusammen Prof. Valter Maggi, Università degli Studi di Milano-Bicocca, Department of Earth and Environmental Sciences, ein Eisbohrkern in der Angermayerhalle entnommen. Die Laborarbeiten und chemische Analysen sind in Kürze abgeschlossen und Teil einer Publikation, die gerade in Arbeit ist.

Ausgewählte Literatur zur Schellenberger Eishöhle:

Meyer, C., Meyer, U., Pflitsch, A., and Maggi, V. (2016): Analyzing airflow in static ice caves by using the calcFLOW method, The Cryosphere, 10, 879-894, doi:10.5194/tc-10-879-2016

Meyer, C. , Pflitsch, A. , Holmgren, D. , and Maggie, V. (2014): Schellenberger Ice Cave (Germany): a conceptual model of temperature and airflow. In Proceedings, 6th International Workshop on Ice Caves, 17–21 August, Idaho Falls, Idaho, 82—87

Ringeis, J.; Pflitsch, A. & Grebe, CH. (2008): Analiysis of Ice Level Measurements in the Schelenberger Ice Cave in the Greman Limestone Alps In: Proceedings of 3rd International Workshop on Ice Caves (IWIC-III), Kungur Ice Cave, Perm Region, Russia, 12. – 17.05.2008, S. 48-52

Grebe, C.; Ringeis, J. & Pflitsch, A. (2008): Study of Temperature and Airflow in the Schellenberger Ice Cave (Berchtesgadener, Limestone Alps, Germany) In: Proceedings of 3rd International Workshop on Ice Caves (IWIC-III), Kungur Ice Cave, Perm Region, Russia, 12. – 17.05.2008, S. 26-29