Höhlen

HÖHLENKLIMATOLOGIE

Die klimatischen Bedingungen und hier insbesondere die Strömungsverhältnisse in statischen wie dynamischen Höhlensystemen sind bis heute nur unzureichend untersucht worden, so dass nur mangelhafte Informationen vorliegen, ob und in welcher Ausprägung nennenswerte Zirkulationssysteme existieren.

Die Arbeits-/Forschungsgruppe Höhlen- und U-Bahn-Klimatologie des Geographischen Institutes der Ruhr-Universität-Bochum hat sich somit die folgenden Ziele gesetzt:

Durch die detaillierte Erforschung der Klimatologie verschiedener Höhlensysteme soll ein umfassendes Verständnis für:
• die Wechselwirkungen zwischen den Ausprägungen einzelner meteorologischer
Elemente innerhalb der Höhle,
• die Wechselwirkungen zwischen Höhlenluft und Außenatmosphäre sowie
• die Funktionsweise potentieller Zirkulationssysteme erzielt werden.


Datenerfassung in der Wind Cave,
Süd Dakota (USA)

Darüber hinaus ist insbesondere die Ermittlung und Beschreibung der Auswirkungen von Touristengruppen auf das Höhlenklima von besonderer Bedeutung. Weiteres Ziel der Untersuchungen ist, an ausgewählten Passagen das Mikroklima der Höhlen zu erfassen. Aber auch die Analysen der Bewetterungsverhältnisse, des CO2-Gehaltes der Höhlenluft sowie der Verdunstungsmenge sollen wichtige Aufschlüsse über die Wechselwirkung zwischen Sinterausfällung und Höhlenatmosphäre erbringen. Kenntnisse über die rezenten Sinterausfällungen in Höhlen sind für eine paläoklimatische Interpretation älterer Speläotheme von besonderer Bedeutung.

Neben der reinen höhlenklimatologischen Forschung soll ein Brückenschlag zu dem neuen Forschungsfeld der U-Bahn-Klimatologie erfolgen, da sich beide Forschungsfelder in vielen Punkten ergänzen und interessante Bezüge bestehen (siehe unter: U-Bahn-Klimatologie).

Prof. Dr. rer. nat. Andreas Pflitsch

Referent für Höhlenklimatologie beim VdHK

Der Forschungsbereich Höhlen-Klimatologie ist im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland wenig populär, aber dafür ein hochinteressantes Forschungsgebiet. Mein Interesse wurde zum ersten Mal durch meinen Freund und
Forschungs-partner Jacek Piasecki von der Universität in Wroclaw (Polen) geweckt, nachdem er mir 1997 seine Forschung in der Bären - Höhle (Jaskinia Niedzwiedzia) in Polen vorgestellt hatte. Seitdem bin ich völlig von diesem Wissenschaftsbereich fasziniert, was nach zahlreichen Messungen im In- und Ausland zum Aufbau der hier präsentierten Arbeitsgruppe führte. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungspartnern konzentriert sich meine Arbeit
besonders auf die Dechenhöhle in Iserlohn sowie auf die barometrischen Höhlen in den Black Hills in Süd Dakota (USA), hier obliegt mir die Projektleitung. Die Arbeiten in Polen sowie der Tschechischen und der Slowakischen Republik
werden durch die dortigen Forschungspartner geleitet.

Höhlenforschung:
Langjähriges Mitglied der Speläogruppe Letmathe - Verein für Höhlenkunde in Westfalen e.V. und darüber im Verband der deutschen Höhlen-und Kartsforscher e.V

Dipl.-Geogr. Julia Ringeis

Schwerpunkt Klimatologie
Studium an der Ruhr-Universität Bochum

Mitarbeit in verschiedenen Projekten in den Bereichen Höhlenklimatologie, U-Bahn- Klimatologie, Stadt- und Geländeklima.

Forschung:
Forschung über Barometrische Höhlen, Untersuchung des Luftdruck- und Strömungsregimes der Wind Cave und
der Jewel Cave in South Dakota, USA.

Christiane Meyer

M.Sc. Geographie (Ruhr-Universität Bochum)

Forschungsinteressen:
Höhlenklimatologie (vor allem Eishöhlen), Forschungsgeschichte und historische Daten von Eishöhlen, geographische Verbreitung von Eishöhlen, Wärme- und Eishaushalt in Eishöhlen, Eishöhlen im Klimawandel. Nachdem ich bereits seit meinem 16.Lebensjahr Höhlenforschung mache, konnte ich während des Bachelorstudiums die ersten Erfahrungen in der Höhlenklimatologie bei der Auswertung von Strömungsregimes der Wind Cave und der Jewel Cave in South Dakota, USA, sammeln. In meiner Bachelorarbeit intensivierte ich mein Interesse für Höhlen zum ersten Mal in der Konzeptionierung von Unterrichtseinheiten für die Primarstufe, die Sekundarstufe I und II zum Thema Höhlenklimatologie im Zusammenhang mit Elementen der Wärmelehre. Für die Sekundarstufe II wurden die Inhalte
auf den Bereich des Energiesparens durch klimagerechtes Bauen transferiert. Als Beispiel diente die Verwendung bauphysikalisch geeigneter Baustoffe mit "Höhleneigenschaften". Seit 2007 widme ich mich daneben dem Aufbau des Deutschen Höhlenklimakatasters des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.. Angeregt durch die Teilnahme am 2nd International Workshop on Ice Caves entdeckte ich aber mein Interesse für die Eishöhlenforschung, welche zu diesem Zeitpunkt nach einigen Forschungshöhepunkten Ende des 19.Jahrhunderts und in den 1950er-70er in Deutschland quasi nicht mehr existent war. Seit 2007 bauen wir nun dieses Forschungsfeld wieder auf, welches trotz langer Forschungsgeschichte noch immer in den Kinderschuhen steckt. Forschungsinteresse ist es vor allem, historische Zeitreihen weiter fortzuführen und neue Langzeitmessungen zu Temperatur und Eisdynamik aufzubauen, um so den Einfluss klimatischen Veränderungen auf den Eis- und Wärmehaushalt der Höhle zu untersuchen.
In meiner Masterarbeit "Eishöhlenforschung vom 16. Jahrhundert bis in die Moderne -Vom Phänomen zur aktuellen Forschung" konzentrierte ich mich aufgrund der Vielfalt an Daten vor allem auf die historische Eishöhlenforschung. Neben der historischen Aufarbeitung lag der Fokus darauf, unbekannte historische Veröffentlichungen aus den letzten 4 Jahrhunderten zugänglich zu machen und Informationen für die heutige Forschung zur geographischen Verbreitung von Eishöhlen, bzw. der Morphologie und Dynamik des Eises in den letzten Jahrhunderten zu gewinnen. Im Nachgang der Arbeit konnten Daten und Informationen sogar bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden.

Neben der universitären Arbeit in der Arbeitsgruppe engagiere ich mich seit 2007 bei der "Fédération Spéléologique Européenne", in deren "European Cave Protection Commission" ich Gründungsmitglied und erste Präsidentin bis 2009 war und in dieser Funktion die erste europäische Höhlenschutzkampagne im EU-Parlament leitete.

Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V., der Schweizerischen Gesellschaft für
Höhlenforschung (Sektion Basel und Bern), im Verband Österreichischer Höhlenforscher (Verein für Höhlenkunde in Hallstatt-Obertraun), Mitglied der Ice Cave Commission der "International Union of Speleology",
Mitglied der European Cave Protection Commission, Fédération Spéléologique Européenne.

Forschungsprojekte

  • Barometrische Höhlen
    • USA
      • New Mexico (Carlsbad Caverns, Lechuguilla Cave)
      • South Dakota (Wind Cave, Jewel Cave)
  • Eishöhlen
    • USA
    • Deutschland
      • Schellenberger Eishöhle
  • Höhlenökosysteme
    • Einfluss des Tourismus
    • Fledermäuse